
Der britische Künstler Claude Heath widmet sich seit den 1990er-Jahren ungewöhnlichen Zeichenmethoden. Mit bedeckten Augen ertastet er Objekte mit einer Hand und hält mit der anderen seine haptisch gewonnenen Eindrücke zeichnerisch fest. Der Prozess endet, sobald der Künstler die Augen wieder aufschlägt. Seine Werke lassen eine Verbindung von Tasten und Zeichnen aufscheinen.
Sechs Arbeiten aus der Serie Archäologische Zeichnungen (2010) befinden sich in der Sammlung Schering Stiftung. Sie entstanden im Rahmen eines längeren Aufenthalts des Künstlers am Teleorman-Museum im Süden Rumäniens. Zusammen mit anderen Künstler*innen war Heath zu einem Forschungsprojekt eingeladen worden, das sich der Untersuchung eines prähistorischen Dorfes aus künstlerischer und wissenschaftlicher Perspektive widmete. Er kam dort mit prähistorischen Gegenständen wie Feuersteinwerkzeugen in Berührung und entwickelte ein neues Verfahren, um sie zeichnerisch zu erfassen. Heath legte die Objekte in eine selbst konstruierte, von Vorhängen verschlossene Box, ohne sie vorher gesehen oder Informationen darüber erhalten zu haben. Mithilfe der Objekte bearbeitete der Künstler das Papier, dem er Schnitte, Kratzer und Prägungen zufügte. Auf diese Weise entstanden Bilder, die der Künstler später als „taktile Zeichnungen“ beschrieb.
In der Serie Universe (2005) beeinflusste Heath seine Wahrnehmung mithilfe einer 3D-Brille. Ausgehend von Karten der Sterne und des Weltalls schuf er Zeichnungen im Raum. Dazu nutzte er einen Stift, der mit einem Computer verbunden war und eine animierte Ausführung seiner zeichnerischen Ausführungen und Punktierungen erstellte. Diese Zeichnung wurde wiederum mit der dem Zeichenakt zugrunde liegenden astronomischen Karte zusammengefügt.
Heaths Arbeiten verbindet ein unkonventioneller Zeichenprozess, bei dem die visuelle Wahrnehmung des Künstlers entweder manipuliert wird oder, indem der Künstler seine Augen bedeckt, behindert wird. Der Künstler greift zu diesen Methoden, um das Zeichnen und Erkennen von Gewohnheiten und Stereotypen zu lösen und künstlerische Vorstellungen sowie Erwartungen bewusst auszublenden.
Unter den Linden 32-34
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Donnerstag bis Freitag: 14-20 Uhr
Samstag und Sonntag: 12-20 Uhr
Eintritt frei