
Die Zeichnungen von Irma Blank aus der Serie Global Writings zeugen von einem Krisenmoment der Künstlerin. 1955 verließ die Künstlerin ihre Geburtsstadt, das niedersächsische Celle, und zog auf die italienische Insel Sizilien. Dort erlebte sie ihre eigene sprachliche Unzulänglichkeit und wurde sich bewusst, dass sich in der Muttersprache Zustände und Dinge verbalisieren lassen, die Blank als in der Sprache Verborgenes beschreibt.
Sie begann kleine, abstrakte Zeichen zu entwickeln, die sie als Mikro-Zeichen bezeichnet hat und die ein imaginiertes Alphabet bilden, mit dem sie eine Art Tagebuch führte. So entstanden ihre auf Schrift und Bild basierenden künstlerischen Werkserien, die in Arbeiten wie Global Writings, Splitter AE-2 (2009) Ausdruck finden. Das Blatt zeigt eine lose Formation zackiger Kürzel auf Transparentpapier, die sich von der Mitte nach außen ausweitet und im Bildraum zu schweben scheint.
In der fünfteiligen Serie Global Writings, Verkettungen 25-5-14 (2014) wiederum reiht sich Blanks „Alphabet“ in dichten, senkrecht verlaufenden Ketten aneinander. Blank wiederholte auf jedem Blatt die gleichen Zeichen und führte die gleichen Gesten aus. Dieser auf Repetition basierende Zeichenprozess erlaubte es der Künstlerin, in höchster Konzentration ihre Gedanken zu kanalisieren. Mit dem Tod Blanks im Jahr 2023 kam ihr Werk zum Abschluss.
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