
Der deutsche, in Berlin lebende Künstler Ralf Ziervogel ist für detailliert ausgearbeitete, figurative Szenen und eine Motivwelt, in der Tiere und menschliche, oft nackte Wesen miteinander koexistieren, in den frühen 2000er-Jahren bekannt geworden. Bis 2011 schuf er gegenstandsbezogene Darstellungen, die die Realität der äußeren Welt überspitzt zeigen. Die zweiteilige Zeichnung Every Adidas Got Its Story (2010) zeigt tierische und menschliche Akteure in Markenkleidung samt Mobiltelefonen, die einander malträtieren und verletzen. Die comicartigen Figuren schweben in dem weißen Bildraum. Gliedmaßen, Köpfe und Blut sausen neben Spritzen, Pfeilen und Zigaretten durch die Luft und zeichnen ein chaotisches, grausames Bild.
Zwei Jahre später schlug Ziervogel einen anderen Weg ein und schuf die mehrteilige, abstrakt anmutende Serie Eskimolied (2013), die als Dialog zwischen dem Körper des Künstlers und dem Papier als Trägermaterial verstanden werden muss. Der Künstler hat im Vorfeld der Bildproduktion Gouache auf Körperteile, vorrangig den Daumen, aufgetragen und sie auf dem Papier abgedrückt. Zu sehen sind Spuren, Abdrücke, Schlieren und Verwischungen, die leicht identifizierbar sind als jene Bewegungsabläufe, wie sie beim Hantieren mit Geräten wie Smartphones auf dem Bildschirm entstehen. In kleinster Schrift sind neben den Spuren Begriffe zu lesen wie „ON“, „OFF“, „SLIDE UP/DOWN“, „ERROR“ oder „FUCK“.
Diese Zeichnungen verbildlichen unseren Umgang mit digitalen Geräten und ihre Dauerpräsenz im Alltag. Normalerweise verbleiben solche Spuren unsichtbar. Ziervogel entlockt den Gesten ein ästhetisches Potenzial und erschafft ein Bewusstsein für die Gestik der Gegenwart. Der Werktitel Eskimolied verweist auf die selbst erdachten Lieder der Inuit, die sie während der Jagd in Eis und Schnee singen, um konzentriert zu bleiben und sich in der Welt, in der sie leben, zurechtzufinden.
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Samstag und Sonntag: 12-20 Uhr
Eintritt frei