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Vortrag 

Octopus marginatus

Octopus marginatus
Foto: Nick Hobgood, 2006.

Camouflage

Die Kunst der Tarnung

Octopus marginatus
Foto: Nick Hobgood, 2006.

Camouflage

Die Kunst der Tarnung

Termin:

05.11.2018, 18:15–20 Uhr

Veranstaltungsort:

Humboldt-Universität zu Berlin
Interdisziplinäres Labor Bild Wissen Gestaltung
Zentraler Laborraum, 2. OG
Sophienstr. 22a
10178 Berlin

Die Vorträge finden in englischer Sprache statt.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


Was lehrt uns der Oktopus über die Kunst der Tarnung und welche Bedeutung hatte die Camouflage von Kriegsflugzeugen für die Abstrakte Malerei? Über das spannungsvolle Verhältnis von Kultur und deren Simulation von Natur sprechen die Kunstwissenschaftlerin Prof. Dr. Patricia Ribault und der Wissenschafts- und Medienhistoriker Prof. Dr. Wolfgang Schäffner in der Auftaktveranstaltung der vierteiligen Ringvorlesung „Natur der Wahrnehmung – Kunst der Täuschung“.

Von Form zu Formlosigkeit: Die Strategie des Oktopus – Prof. Dr. Patricia Ribault

Der Oktopus ist bekanntermaßen ein Meister der Täuschung: So kann er z.B. die Gestalt eines Steins annehmen, um sich vor unliebsamen Blicken zu verstecken. Aber er gibt sich nicht einfach damit zufrieden, unsichtbar zu sein und sein Umfeld durch sein wachsames Auge zu betrachten. Er ist auch ein Meister der Verwandlung, ein Held der metis, und in der Lage, Gestalt und Farbe einer Seeschlange, eines Skorpionfisches oder eines Steinbutts so wirkungsvoll anzunehmen, dass wir darüber beinahe sein wahres Aussehen vergessen.

Letztendlich ist er polupaipalos – ein Trickster, wandelbar, vielschichtig, schlüpfrig. Die Natur hat den Oktopus für diese Rolle bestens ausgestattet: ohne Knochen oder Knorpel, fünfhundert Millionen Neuronen entlang jeder seiner acht Tentakel. Kurzum, der buchstäblich körperlose Oktopus ist wie geschaffen für den Polymorphismus.

Was also kann uns der Oktopus über die Kunst der Tarnung lehren? Vielleicht, dass Erscheinung und Verschwinden vor allem eine Frage der Gestalt, des Körpers, des Fleisches sind – der Gestalt im Sinne Merleau-Pontys, wie er es in seinen Arbeitsnotizen beschreibt: „Eine Gestalt, die dem Polymorphismus entstammt, stellt uns völlig außerhalb jeder Philosophie von Subjekt und Objekt“ (Das Sichtbare und das Unsichtbare).

Camouflage: Revolution des Bildes in Zeiten des Luftkrieges – Prof. Dr. Wolfgang Schäffner

Der erste Weltkrieg war der erste Luftkrieg, der den visuellen Raum radikal veränderte. In dem neu entstandenen Raum der vertikalen Sichtbarkeit war die Tarnung von höchster Bedeutung. In diesem Zusammenhang kam französischen, britischen und deutschen Malern eine besondere Bedeutung zu: Ihre Camouflage-Praktiken zeigen, wie die abstrakte moderne Malerei zu einer Simulation der Natur wird. Indem sie eingesetzt werden, um Unsichtbarkeit zu erzeugen, wandeln sich Bilder in ihr Gegenteil. Im Kontext von Kriegstechniken fügt sich die Malerei in einen Prozess ein, der die Konstitution des Bildes als solches grundlegend verändert. Die Tarnung war eine der Ursachen für die Revolution des Bildes im 20. Jahrhundert und führte nach dem zweiten Weltkrieg zur Einführung der Radartechnik und Computerbildschirmen.

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Programm zum Download 

Ringvorlesung "Natur der Wahrnehmung - Kunst der Täuschung"

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Die Sprecher: 

Patricia Ribault studierte Angewandte Kunst und Keramik an der École Nationale Supérieure des Arts Appliqués et des Métiers d’Art in Paris, bevor sie nach England, Venedig und Tunesien ging, um Glasbläserei zu erlernen. 2000 kehrte sie nach Paris zurück, um Ästhetik an der Université Paris I Panthéon-Sorbonne zu studieren und schloss 2009 mit einem PhD in Kunst und Kunstwissenschaft ab. Ihre Doktorarbeit trägt den Titel „Ontology of Craft“ (frz. „Pour une ontologie du geste“). Zwischen 2010 und 2015 war sie Forschungsleiterin an der École Supérieure d’Art et de Design in Reims. Seit März 2015 ist sie Juniorprofessorin am Exzellenzcluster und am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, seit 2011 lehrt sie im Master-Programm der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts de Paris.

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Wolfgang Schäffner, Wissenschafts- und Medienhistoriker, ist seit 2009 Professor für Wissens- und Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Sprecher (zusammen mit Horst Bredekamp und Peter Fratzl) des Exzellenzclusters „Bild Wissen Gestaltung“ und als Direktor des Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik ist er verantwortlich für das Humboldt-Labor der Humboldt-Universität zu Berlin im Humboldt-Forum. Seit 2005 ist er Profesor invitado permanente und Direktor des Walter-Gropius-Forschungsprogramms an der Fakultät für Architektur, Design und Urbanismus der Universidad de Buenos Aires und Leiter des deutsch-argentinischen Masterprogramms „Open Design“ der Humboldt-Universität Berlin und der Universidad de Buenos Aires in Kooperation mit dem Centro internacional del Diseño del Conocimiento „Tomás Maldonado“ in Buenos Aires.

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Partner 

Das Projekt wird in Kooperation mit folgenden Partnern realisiert:

Bild Wissen Gestaltung Ein interdisziplinäres Labor

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