
Channa Horwitz (1932–2013), geboren in Boyle Heights, Kalifornien, entwickelte ab den späten 1960er-Jahren ein streng systemisches Zeichensystem, das sie Sonakinatography nannte. Es basiert auf der Visualisierung von Zeit, Rhythmus und Bewegung durch farbige Linien, Kreise und Quadrate, die nach festen Regeln auf Millimeterpapier aufgetragen werden. Jede Farbe und Linie folgt einem festgelegten Ablauf, den Horwitz in seriellen Variationen immer wieder neu durchspielte. Ihr Werk Flowings I (Crescendo I) von 1987 aus der Sammlung der Schering Stiftung besteht aus sich überlagernden Linien in acht Farben, die einen Moiré-Effekt erzeugen und an die Op Art erinnern – eine Kunstrichtung der 1960er-Jahre, die mit visuellen Täuschungen und Bewegungseffekten arbeitet. Die Zeichnung gehört zur Canon Series, in der sich Bewegungsmuster über festgelegte Zeiträume verschieben und verdichten. Trotz der strengen Struktur erlaubte sich Horwitz kleine Ungenauigkeiten, die ihr Werk von computergenerierter Kunst abgrenzen und es menschlich und lebendig wirken lassen. Ihr konzeptueller Ansatz erinnert an die Minimal Art, etwa an Sol LeWitt, einen US-Künstler, der mit systembasierten Wandzeichnungen bekannt wurde. Erst spät fand ihr Werk internationale Anerkennung, besonders durch Ausstellungen in Europa seit den 2000er-Jahren.
Unter den Linden 32-34
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Donnerstag bis Freitag: 14-20 Uhr
Samstag und Sonntag: 12-20 Uhr
Eintritt frei