
Das Werk Flowings I (Crescendo) der US-amerikanischen Künstlerin Channa Horwitz aus dem Jahr 1987 ist Teil der Sammlung Schering Stiftung. Es basiert auf einem strengen Regelwerk namens Sonakinatography, das die Künstlerin im Rahmen eines Projektes für die Ausstellung Art and Technology am Los Angeles County Museum of Art im Jahr 1968 entwickelt hatte und in dem jede Linie eine Funktion besitzt. Die jeweilige Farbe, Richtung und Länge der einzelnen Linien stehen für bestimmte Klänge, Bewegungen, Wörter und visuelle Reize. Das Konzept wurde schließlich zum grundlegenden Kompositionssystem für Horwitz’ Zeichenpraxis.
Horwitz arbeitete nach einer festgelegten Farbpalette, die acht Farbtöne von Dunkelgrün, Dunkelblau, Violett, Pink, Rot, Orange bis zu Gelb und Hellgrün umfasste. Sie arbeitete stets auf Millimeterpapier, so dass sie die Linien, Quadrate und Rauten, die sie auf dem Papier platzierte, jeweils gleichmäßig versetzen und modifizieren konnte. Auf diese Weise generierte sie komplexe Bewegungsmuster, die auch als Notationssysteme betrachtet werden können. In ihnen verdichten sich Zeit, Rhythmus und Bewegung.
Die Auseinandersetzung mit Bewegungseffekten und seriellen Prinzipien evoziert Erinnerungen an die Ästhetik der Op-Art und lassen eine Verwandtschaft der Werke von Horwitz mit jenen von Vertreter*innen des Minimalismus wie Sol LeWitt, mit dem sie zeitlebens in engem Austausch stand, erkennen. Innerhalb des selbst auferlegten Farb- und Zeichenprinzips erkannte Horwitz das Potenzial für vielfältige Variationsmöglichkeiten. Sie ließ handwerkliche Ungenauigkeiten zu und grenzte ihre Arbeiten so von der scheinbar exakten und fehlerfreien computergenerierten Kunst ab. Die breite Rezeption ihres Schaffens setzte insbesondere in Europa erst in den 2000er Jahren mit Retrospektiven in Deutschland (2015) und Spanien (2018) ein.
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