
Die großformatige Zeichnung Jedes Kollektiv braucht eine Richtung (2012) der in Berlin lebenden Künstlerin Nadine Fecht wurde angefertigt, indem die Künstlerin ein gigantisches Bündel aus 1805 senkrecht stehenden Kugelschreibern konstruierte und dieses unter Einsatz ihrer Körperkraft über das Papier hinwegbewegte. Es handelte sich um die maximale Anzahl von Stiften, die Fecht gleichzeitig anheben und über den Papierbogen ziehen konnte.
Aus diesen Bewegungen sind mehr oder weniger parallele, schlingernde Linien entstanden, die in einer gewebeartigen Verdickung münden. Die hier aufgerufene Bildsprache mag an abstrakte Darstellungen des Informel erinnern, doch es geht Fecht gar nicht darum, an eine Zeichensprache zu appellieren, die den unbewusst ablaufenden künstlerischen Schaffensakt in den Vordergrund stellt.
Vielmehr befasst sich Fecht in dieser Zeichnung mit gesellschaftskritischen und -politischen Themen, schließlich kann sie zwar die grobe Richtung des Bündels beeinflussen, nicht aber den Weg jedes einzelnen Kugelschreibers. Wie also verhält sich ein einzelner Stift, wenn Druck auf das Kollektiv ausgeübt wird? In Jedes Kollektiv braucht eine Richtung werden sich die Betrachter*innen gewahr, dass einzelne Stifte aus der richtungsweisenden Bewegung ausschlagen, dass sie sich verselbständigen, hüpfen und Haken schlagen. Die Abweichung des Einzelnen innerhalb einer in Bewegung versetzten Masse wird auf diese Weise visuell erfahrbar.
Unter den Linden 32-34
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Donnerstag bis Freitag: 14-20 Uhr
Samstag und Sonntag: 12-20 Uhr
Eintritt frei