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Heidi Bucher

„'Frottage' St. Paul de Vence“ (1978)

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Heidi Bucher,„'Frottage' St. Paul de Vence“, 1978, Leinsamenöl, Graphit, Perlmutt auf handgeschöpftem Papier, 106,5 x 76 cm

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Heidi Bucher,„'Frottage' St. Paul de Vence“, 1978, Leinsamenöl, Graphit, Perlmutt auf handgeschöpftem Papier, 106,5 x 76 cm
Foto: © Mit freundlicher Genehmigung des Nachlasses der Künstlerin und Jahn und Jahn, München

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Heidi Bucher,„'Frottage' St. Paul de Vence“, 1978, Leinsamenöl, Graphit, Perlmutt auf handgeschöpftem Papier, 106,5 x 76 cm
Foto: © Mit freundlicher Genehmigung des Nachlasses der Künstlerin und Jahn und Jahn, München
 

Die Künstlerin Heidi Bucher arbeitete vielfach mit Materialien, die weich und formbar waren. Sie nutzte Gaze und flüssigen Latex, um beispielsweise im Herrenzimmer ihres Elternhauses im schweizerischen Winterthur-Wülflingen eine so genannte „Raumhäutung“ durchzuführen. Bucher wurde international bekannt für ihre raumfüllenden Reliefs, die unter hohem Kraftaufwand entstanden und deren Entstehung gelegentlich als Performance dokumentiert wurde. Mit diesen Arbeiten schuf die Künstlerin installative Werke, die die Spuren der Zeit und Bewohner eines Hauses konservierten und familiäre sowie soziale Konstellationen widerspiegelten.

Bucher war außerdem eine hervorragende Zeichnerin und beherrschte verschiedene Techniken von Tusche und Aquarell bis Bleistift. Mit der Frottage griff sie auf ein grafisches Verfahren zurück, das Ähnlichkeit besaß mit den Latexarbeiten. Bei der Frottage wird die Oberflächenstruktur von Gegenständen und/ oder Materialien mittels des Abriebs von Kreide oder Bleistift auf ein aufgelegtes Papier übertragen.

Die Arbeit St. Paul de Vence (1978) zeigt den „Durchdruck“ zweier Tücher mit Borten und floralen Stickereien sowie die Ärmel einer oder mehrerer Damenblusen, die an den Handgelenken in elastischen Bündchen enden. Dank Auswahl und Design der Textilien sowie den darauf applizierten Stickereien, Rüschenelemente und umlaufenden Borten und nicht zuletzt dem Faltenwurf der Bluse, gelingt der Künstlerin eine reizvolle, variationsreiche Komposition.

Die Falten des Stoffes verwandeln sich mittels der Frottage in ein feines Liniengefüge, das das Blatt ebenso strukturiert wie die gleichmäßige Musterung der Borten. Im Zusammenspiel bilden sie ein vielschichtiges Geflecht aus Linien, das von den filigranen Blumenmotiven belebt wird und mit der Applikation von schimmerndem Perlmutt einen finalen, besonderen Glanz erhält.

Heidi Bucher hat sich lebenslang mit Textilien beschäftigt. Kleidungsstücke waren für sie Träger von Erlebtem, aber auch Stellvertreter von Körpern und materieller Ausdruck von Erinnerungen und sozialen Konventionen sowie ein Mittel zum Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Mithilfe der Frottage hat sie Kleidung und Stoffe in eine zeichnerische Form überführt und ihnen zu neuer Bedeutung verholfen.

Ihr Interesse an einer sinnlichen Auseinandersetzung mit Gebrauchsgegenständen lassen eine Verwandtschaft mit den Arbeiten von Claude Heath erkennen.

 

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