Schering Stiftung

Symposium 

Östrogene

neue Facetten eines klassischen Hormons

Östrogene

neue Facetten eines klassischen Hormons

Termin:

01.03.2006


Um sich mit Experten aus aller Welt über die neuesten Erkenntnisse in der Östrogenforschung auszutauschen, lud die Schering Stiftung zu einem wissenschaftlichen Symposium zum Thema: „Gewebespezifische Östrogenwirkung: neue Mechanismen, neue Liganden, neue Therapien?“ ein.

Das Ziel der modernen Östrogenforschung ist es, herauszufinden, in welchen Geweben und Organen Östrogene wirken und über welche Signalkaskaden die Wirkung vermittelt wird. Neueste Erkenntnisse legen nahe, dass es eine Reihe verschiedener Signalwege gibt, durch die diese Hormone ihre Wirkung entfalten können. Ein genaueres Verständnis dieser unterschiedlichen Signalwege und ihrer Wirkmechanismen ist eine wichtige Grundlage für die Entwicklung maßgeschneiderte Therapien. Das Ziel ist es, nur bestimmte Östrogenwirkungen in jeweils spezifischen Geweben des Körpers zu aktivieren, wie z.B. im Knochen zum Schutz vor Osteoporose.

Wie vielfältig die Wirkungen von Östrogenen sind, erläuterte Evan Simpson vom Prince Henry’s Institute of Medical Research, Clayton, auf dem Symposium: „Östrogenmangel begünstigt Fettleibigkeit, verschlechtert das Blut-Fettprofil und führt zum Abbau von Knochensubstanz.“ In seinen Studien untersuchte Simpson transgene ARKO-Mäuse, die aufgrund einer gezielten Mutation (die das Enzym Aromatase betrifft) keine Östrogene produzieren können. Bei völliger Abwesenheit von Östrogenen gerät der empfindliche Hormonstoffwechsel erheblich aus dem Gleichgewicht. Störungen des Fettstoffwechsels, Fettleibigkeit, Osteoporose sowie komplexe Krankheitsbilder wie das Metabolische Syndrom sind die Folgen. Sie können nicht nur im Mausmodell simuliert, sondern auch in ähnlicher Form bei Menschen mit Östrogenmangel beobachtet werden. Die Behandlung mit Östrogenen zeigt eine deutliche Verbesserung der Krankheitsbilder bei Mensch und Tier. „Die Gabe des Östrogens 17-ß-Estradiol regt höchstwahrscheinlich die ß-Oxidation von Fetten an“, so Simpson.

Die Wirkung von Östrogenmangel auf den Fettstoffwechsel und das Skelettsystem sind jedoch nur Teilaspekte aus dem facettenreichen und dynamischen Forschungsfeld. Östrogene beeinflussen nicht nur die weiblichen Geschlechtsorganen, sondern auch das Gehirn, die Prostata, das Herz-Kreislaufsystem und das Verdauungssystem. Die wachsenden Kenntnisse über die komplexe Wirkung von Östrogenen im Körper verursachten daher in den vergangenen Jahrzehnten eine starke Differenzierung der gesamten Forschungsrichtung.

„Treffen wie dieses Symposium sind für alle Östrogenforscher enorm wichtig“, so der Mitorganisator Kenneth Korach vom National Institute of Environmental Health Sciences, North Carolina. „Fragen aus dem Blickwinkel der anderen Teildisziplinen eröffnen jedem von uns neue Sichtweisen auf die eigene Forschungsarbeit. Solch ein intensiver Austausch über aktuelle und neue Forschungs- und Therapieansätze bringt die gesamte Östrogenforschung voran und fördert die internationale Zusammenarbeit.“ Unter den Referenten des Symposiums waren neben Kenneth Korach auch eine Reihe weiterer Pioniere der Östrogenforschung wie Michael Mendelsohn vom Tufts New England Medical Center, Boston, MA, Ellis Levin vom Long Beach VA Medical Center, U.S.A., Benita und John Katzenellenbogen von der Universität Illinois sowie Frank Gannon vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg.

Das Symposium zur Untersuchung der gewebespezifischen Wirkung der Östrogene war die Auftaktveranstaltung einer Reihe wissenschaftlicher Symposien, die die Schering Stiftung in diesem Jahr organisiert. „Mit den Symposia wollen wir Think-Tanks für neue Ideen schaffen, Horizonte erweitern und den Dialog zwischen Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und Forschungseinrichtungen fördern“, erklärte Dr. Monika Lessl, Molekularbiologin und Mitglied des Vorstandes der Schering Stiftung im Eröffnungsvortrag.

Auch auf dem Gebiet der Herz-Kreislauferkrankungen spielt die Wirkung von Östrogenen eine wichtige Rolle. Neueste Forschungsergebnisse dazu präsentierten Michael G. Mendelsohn aus Boston und Jean-François Arnal aus Toulouse. Ihre Studien zeigten, dass Östrogenrezeptoren sowohl in Zellen des Gefäßendothels als auch in der glatten Gefäßmuskulatur eine wichtige Rolle beim Schutz vor Gefäßschäden spielen. Während Michael Mendelsohn neue Erkenntnisse zu den Mechanismen der Teilung glatter Muskelzellen nach Gefäßverletzungen präsentierte – diese wird in spezifischer Weise durch Östrogene gehemmt – untersucht sein französischer Kollege Jean-François Arnal, warum Östrogene vor der Entstehung von Gefäßverkalkungen (sogenannter atherosklerotischer Plaques) schützen, aber bei bereits bestehenden Plaques eine gegensätzliche Wirkung haben können. Eine besondere Rolle spielen dabei Zellen des Immunsystems, wie Arnal und seine Kollegen zeigen konnten.

Östrogene wirken nicht nur sehr selektiv auf verschiedene Zelltypen sondern auch geschlechtsspezifisch. Bei der Entwicklung erfolgreicher Therapien bei Mann und Frau nehmen die Wissenschaftler daher die molekularen Mechanismen der Östrogenwirkung auf die Aktivität von Genen und Zellen immer wieder unter die Lupe. Auch das „Rapid Signalling“ an der Zellmembran und die Testung neuer östrogenartiger Moleküle, entwickelten sich in letzter Zeit zu Schwerpunkten der Forschungsarbeit. „In der Östrogenforschung ist es wie in einem Haus mit vielen Türen, die sich bislang nur mit einem Generalschlüssel öffnen lassen“, erklärte Professor Frank Gannon. „Wonach wir derzeit suchen, das ist der passende Schlüssel, der nur die erwünschten Türen öffnet.“

Die Ergebnisse des Symposiums werden beim Springer Verlag publiziert und sind im Buchhandel erhältlich. Die Reihe „Wissenschaftliche Symposien“ der Schering Stiftung wird vom 10. bis 12. Mai 2006 mit einem Workshop zum Thema „GPCRs: From Deorphanization to Lead Structure Identification“ fortgesetzt.

Dr. Ken Korach, National Institute of Environmental Health Science, USA
Dr. Tim Wintermantel, Gynecology & Andrology, Schering AG, Berlin

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