
24.04. – 05.07.2026
Donnerstag, 23. April 2026, 18–21 Uhr
Donnerstag und Freitag, 14–20 Uhr
Samstag und Sonntag, 12–20 Uhr
Projektraum der Schering Stiftung
Unter den Linden 32-34
10117 Berlin
Im Frühjahr 2026 präsentiert die Schering Stiftung die Ausstellung Rehearsal Room der chilenischen, in Berlin lebenden Künstlerin Nicole L’Huillier. Der Titel Rehearsal Room bedeutet sowohl Probenraum als auch einen besonderen Typus von Klangumgebung: Mithilfe von Komposition, von künstlicher Intelligenz fabrizierten Klängen und Vokalstimme verwandelt L’Huillier den Ausstellungsraum der Stiftung in einen Ort des Experimentierens. Sie stimmt die Besucher*innen klanglich darauf ein, eine andere Art von Wirklichkeit, die Welt des Träumens, zu erleben.
Die Klänge sind so ausgewählt und arrangiert, dass sie sich auf die Besucher*innen übertragen; ihre Gehirnaktivität und Herztöne schwingen im Takt der beruhigenden Töne und Frequenzen. Auf diese Weise entsteht ein Schwellen- und Synchronisationsraum, der einerseits Ruhe und Rückzug bietet und es den Besucher*innen andererseits ermöglicht, sich bewusst auf ungewohnte körperliche und kognitive Erfahrungen einzulassen. Um eine dafür stimmige Soundscape zu schaffen, verschränkt die Künstlerin digital erzeugte Klänge mit Stimme, Gesang und Aufnahmen aus der Natur.
Der Klangraum, der mit Rehearsal Room entworfen wird, resultiert aus L’Huilliers langjährigen Auseinandersetzung mit Frequenzen und Klängen, die das Potenzial haben, den Zugang zu anderen Bewusstseinszuständen zu eröffnen. Er ist zweitens das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem kolumbianischen Produzenten und Klangkünstler Nyksan, der dank einer Kooperation mit dem Berliner Künstler*Programm des DAAD eingeladen werden konnte, mit der Künstlerin vor Ort am Soundtrack der Ausstellung zu arbeiten.
Die Ausstellung vereint drei verschiedene Zonen: Die erste ist eine Ruhezone, in der die eben beschriebene Raumkomposition erklingt. Eine Akustikschaummatte und Kissen, die beruhigende Geräusche wie das Schnurren von Katzen, rhythmische Herztöne oder Meeresrauschen emittieren, geben den Besucher*innen das Gefühl, in einer auf sie einwirkenden Klangwelt zu sein.
Die zweite Station lässt Traumerzählungen erklingen, mutet jedoch als Installation zunächst wie ein Flüsterchor an. Es ist ein digital-analoger Hybridchor und entstanden, indem eine sprachbasierte künstliche Intelligenz von der Künstlerin und ihr nahestehenden Personen trainiert wurde. Statt mit Worten wurde die KI mit Flüsterlauten und wispernden Geräuschen gefüttert und sodann eingesetzt, um auf einer Onlinedatenbank veröffentlichte Traumberichte einzulesen. So lassen sich die einzelnen Episoden des Traumarchivs in einer Weise vernehmen, die nicht nur seltsam, anders menschlich und unheimlich klingen, sondern von den Besucher*innen auch verlangen, das Ohr dicht an den jeweiligen Lautsprecher zu legen. Nur durch aufmerksames Horchen lassen sich erzählerische Episoden aus dem Geflüster vernehmen.
Das dritte Element schließlich versammelt Gespräche mit Expert*innen der Schlafforschung wie Prof. Dr. Björn Rasch, Schlafforscher und Experte für Kognitive Biopsychologie an der Université de Fribourg oder Dr. Karen Konkoly, Postdoktorandin am Labor für kognitive Neurowissenschaften der Northwestern University. Sie berichten von Ergebnissen ihrer Forschung, u.a. den gesundheitlichen Vorteilen guten Schlafes, den Auswirkungen von Klangfrequenzen auf die geistige Aktivität und dem Potenzial des luziden Träumens, das Forscher*innen hilft, neue Einblicke in Aktivitäten wie das Schlafen, Träumen und derweilige Bewusstsein zu gewinnen. Weitere Beiträge stammen von Künstler*innen, die sich auf kollektive Praktiken des Träumens und das Dreamsharing fokussieren wie dem Künstlerduo Nomasmetaforas oder der*dem Künstler*in und Lyriker*in Precious Okoyomon.
Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Traum- und Schlafforscher Dr. Adam Haar Horowitz entstanden. Als Neurowissenschaftler arbeitet er zu den Themen Traum und Trauminkubation. Er interessiert sich insbesondere für sogenannte hypnagogische Bilder, die im Prozess des Einschlafens auftreten. Haar Horowitz sensibilisiert durch seine wissenschaftliche Arbeit und in seinen Projekten mit Künstler*innen für die Wichtigkeit des Träumens, Tagträumens und Abdriftens.
Rehearsal Room ist eine Art Schlaflabor und zugleich ein immersiver Erfahrungsraum, der den Fokus auf Akustik, Technologie und Resonanz legt. Es geht in dieser Ausstellung um das körperliche Hören und das Sich-Einlassen auf unbewusste Prozesse und Phänomene.
Rehearsal Room wurde in Zusammenarbeit mit der 36. Ljubljana Biennale of Graphic Arts produziert, die vom 6. Juni bis 12. Oktober 2025 zu sehen war.
Durch ein Stipendium des DAAD Sonderprogramms Künste und Medien, finanziert aus Mitteln des Auswärtigen Amtes, wird der Aufenthalt des Klangkünstlers und Projektpartners Nyksan ermöglicht.
In Kooperation mit der Deutschen Stiftung Schlaf
Unter den Linden 32-34
10117 Berlin
Telefon: +49.30.20 62 29 65
Email: info@scheringstiftung.de
Donnerstag bis Freitag: 14-20 Uhr
Samstag und Sonntag: 12-20 Uhr
Eintritt frei