
11.09. – 12.12.2025
Mittwoch, 10. September 2025, 18–22 Uhr
Donnerstag und Freitag, 14–20 Uhr
Samstag und Sonntag, 12–20 Uhr
Projektraum der Schering Stiftung
Unter den Linden 32-34
10117 Berlin
Wenn Sie die Ausstellung gerne mit einer größeren Gruppe, sei es Schüler*innen oder Studierenden besuchen möchten, wenden Sie sich hierfür bitte an:
Yicheng Xie
+49.30.20 62 29 64
xie@scheringstiftung.de
Im Mittelpunkt der Ausstellung The Red Queen Effect steht ein Paradoxon: Künstliche Intelligenz verspricht medizinischen Fortschritt und neue Erkenntnisse, aber zugleich wächst der Druck, mit den technischen Entwicklungen Schritt zu halten. kennedy+swan untersucht die gesellschaftlichen und ethischen Fragestellungen, die der vermehrte Einsatz von KI in der Medizin aufwirft. Schnellere Diagnosen und präzisere Behandlungen, die angeblich ein längeres und gesünderes Leben ermöglichen, wirken sich sowohl auf individuelle als auch auf kollektive Erwartungen, Ängste und Fantasien aus. KI-Systeme sind hierbei keineswegs neutrale Lösungen; sie sind immer in soziale, politische und wirtschaftliche Strukturen eingebettet. Die Versprechen rund um KI sind geprägt von jenen, die sie entwickeln, kontrollieren und als zukünftiges Allheilmittel inszenieren.
The Red Queen Effect besteht aus zwei Teilen. Die 4-Kanal-Videoarbeit erzählt von der Gründung des fiktiven Start-ups ALICE. Das Unternehmen bietet medizinische Dienstleistungen und Produkte an – zunächst für eine Gruppe von Testpersonen. Der Film beleuchtet die widersprüchlichen Vorstellungen (und Erwartungen), die mit KI-gestützten Angeboten im Gesundheitswesen verbunden sind. Das zweite Werk der Ausstellung besteht aus zwölf Leuchtkästen und trägt den Titel Lung Portraits. Es handelt sich um Aquarelle auf Glas, die mit Chemikalien behandelt wurden. Sie bilden den Ausgangspunkt der ästhetischen Intervention mit einem KI-Modell, das auf die Erkennung von Krebs in Scans von menschlichen Gewebeproben trainiert ist.
Das Künstlerduo kennedy+swan entwickelte die Arbeiten im Rahmen des Stipendiums Art of Entanglement, das von der Schering Stiftung und dem Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (BIFOLD) 2024 ausgelobt wurde.
Die Lung Portraits sind Bildern mikroskopischer Gewebeproben nachempfunden. Im experimentellen Versuch mit den Expert*innen von BIFOLD wurden Scans dieser Aquarelle in das KI-Modell eingespeist. Das System akzeptierte die künstlerischen Werke als medizinisches Bildmaterial und entdeckte, wie in einer Arbeit deutlich zu lesen ist, „eine (…) Ursache für mikropapilläres Mammakarzinom (an (…) origin of micropapillary breast carcinoma)“. Diese und weitere Diagnosen wurden von kennedy+swan per Lasergravur auf die Aquarelle übertragen. Das Experiment zeigt, dass viele der Systeme dazu neigen, scheinbar plausible Diagnosen zu liefern, statt Unsicherheiten einzugestehen. So stellen kennedy+swan die Frage, wie verlässlich KI-Systeme sind, wenn ihre Datengrundlage lückenhaft oder ungenau ist.
In der für die Ausstellung produzierten Videoarbeit stellt das Künstlerduo ALICE vor. 22 Freiwillige bewerben sich, um an einer klinischen Studie teilzunehmen. Es soll darum gehen, die gesundheitsfördernden Produkte und Verfahren von ALICE zu erproben. Unter den Teilnehmenden befinden sich Menschen, die sich einerseits intensiv mit gesundheitlichen Themen auseinandersetzen und sich andererseits als Transhumanist*innen oder kritische Aktivist*innen betrachten. Ihre Entscheidung, an der Studie teilzunehmen, manifestiert sich in vielfältigen Reaktionen auf KI-basierte Gesundheitstechnologien: Angst, Begeisterung, Skepsis, Hoffnung und Abhängigkeit. All dies wird deutlich in einer Reihe von Interviews zwischen Unternehmen und Testpersonen, wobei die Gesichter von letzteren mithilfe von animierten Aquarellporträts unkenntlich gemacht wurden.
¹ Der Titel bezieht sich auf die Rote Königin aus Lewis Carrolls Roman Alice hinter den Spiegeln (1871). Die Königin erklärt Alice, dass sie möglichst schnell rennen müsse, um am selben Ort zu bleiben. Die Evolutionsbiologie greift dieses Paradox im Begriff „Red Queen Effect“ auf: Die Hypothese aus dem Jahr 1973 beschreibt, dass Arten sich kontinuierlich weiterentwickeln müssen, um in einer sich verändernden Umwelt bestehen zu können.
Unter den Linden 32-34
10117 Berlin
Telefon: +49.30.20 62 29 65
Email: info@scheringstiftung.de
Donnerstag bis Freitag: 14-20 Uhr
Samstag und Sonntag: 12-20 Uhr
Eintritt frei