Schering Stiftung

Preisträger*in 

Porträt Prof. Dr. Volker Haucke

Porträt Prof. Dr. Volker Haucke
Foto: David Ausserhofer

Prof. Dr. Volker Haucke im Labor

Prof. Dr. Volker Haucke im Labor
Foto: David Ausserhofer

Volker Haucke

Ernst Schering Preis 2025

Volker Haucke

Ernst Schering Preis 2025


Professor Volker Haucke erforscht, wie winzige Fettstoffe in unseren Zellen – sogenannte Signallipide – steuern, wie Zellen auf Nahrung und Signale reagieren. Mit modernen Techniken entdeckte er, wie bestimmte Enzyme bei Nährstoffmangel einen wichtigen Zellschalter (mTORC1) ausschalten. Seine Arbeit verändert unser Verständnis der Zellbiologie grundlegend und ist wichtig für die Erforschung vieler Krankheiten.

Volker Haucke ist international führend in der biomedizinischen Forschung und Vorreiter für Nachhaltigkeit im Laborbetrieb – sein Labor war das erste in Deutschland, das als „Green Lab“ ausgezeichnet wurde. Er setzt sich für Recycling, Energieeinsparung und nachhaltige IT-Lösungen ein. Zudem engagiert er sich intensiv in der Förderung junger Wissenschaftler*innen. Viele seiner früheren Doktorand*innen und Postdocs, darunter zahlreiche Frauen, haben heute Professuren weltweit inne. Er fördert aktive Mitgestaltung am Institut, etwa durch studentische Vertretung. Neben seiner Forschung engagiert er sich als 2. Vizepräsident der GBM, in Gutachtergremien der DFG und in Beiräten führender Institute. Öffentlichkeitsarbeit ist ihm ebenso wichtig – etwa durch Teilnahme an der „Langen Nacht der Wissenschaften“ oder durch Bildungsprojekte wie das „Gläserne Labor“. Sein Einsatz macht ihn zu einer zentralen Figur für eine verantwortungsvolle, zukunftsgerichtete Wissenschaft.

Professor Haucke hat in der letzten Zeit in fünf zentralen Themen wegweisende Forschungsergebnisse erzielt:

  1. Lipid-Signale steuern Zellverkehr
    Volker Haucke entdeckte, wie seltene Signallipide wie PI(3,4)P₂ den Transport von Zellmembranen steuern – etwa bei Aufnahme (Endozytose) und Abgabe (Exozytose) von Stoffen. Sein Team identifizierte Schlüssel-Enzyme, klärte ihre Struktur auf und entwickelte gezielte Hemmstoffe, die Zellteilung und Blutgerinnung beeinflussen – mit potenziellen Anwendungen in Krebstherapie und Kardiologie.

 

  1. Nährstoffsensor in Lysosomen
    Haucke fand heraus, wie Zellen ihren Nährstoffstatus über Lipidsignale in Lysosomen erkennen. Ein spezielles Enzym (PI3KC2B) stoppt bei Nährstoffmangel gezielt Wachstumssignale. Diese Entdeckung eröffnet neue Wege zur Behandlung von Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes und zeigte erstmals eine Therapieoption für die seltene Muskelerkrankung X-gebundene Myotubuläre Myopathie.

 

  1. Zellinterner Nährstoff-Transportweg
    Hauckes Team entdeckte einen neuen Transportweg zwischen Zellorganellen: Das endoplasmatische Retikulum leitet Nährstoffsignale über spezielle Lipide an Fetttröpfchen weiter. Diese Signalkette ist bei bestimmten Krankheiten wie der Myotubulären Myopathie gestört und könnte zukünftig gezielt therapiert werden, um Stoffwechselprozesse neu zu steuern.

 

  1. Neue Erkenntnisse zur Funktion von Lysosomen
    2023 zeigte das Haucke-Labor, dass Zellen bei Hunger nicht einfach neue Lysosomen bilden, sondern vorhandene durch Lipid-Signale umfunktionieren. Innerhalb von Minuten verwandeln sich bewegliche, signalaktive Lysosomen in stationäre Abbauorganellen. Dies revolutioniert das Verständnis von Zellabbauprozessen und ist relevant für Alterskrankheiten und Stoffwechselstörungen.

 

  1. Entdeckung eines neuen Organells für Synapsenbildung
    Haucke identifizierte ein neues Organell, das beim Aufbau von Synapsen in Nervenzellen hilft. Es transportiert wichtige Bausteine vom Zellkörper zu entstehenden Kontaktstellen. Dabei spielen ein spezielles Signallipid (PI(3,5)P₂) und Motorproteine eine Rolle, die auch mit Bewegungsstörungen beim Menschen in Verbindung stehen. Die Entdeckung hilft, neuronale Entwicklungsstörungen besser zu verstehen.
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Begleitveranstaltungen 

Lipid Control of Membrane Dynamics in Health and Disease (in German)

24.11.2025, 17 Uhr
Öffentlicher Preisträgervortrag

BBAW
Markgrafenstraße 38
10117 Berlin

Ins Innere der Zelle geschaut: Vom Molekül zum Medikament

01.12.2025, 10 Uhr
Vortrag für Schüler*innen der Oberstufe

Schulfarm Insel Scharfenberg, (nicht öffentlich)

Laudatio und Medienecho 

"Unter den vielen wichtigen Forschungsergebnissen von Volker Haucke faszinieren mich ganz besonders seine Ergebnisse zu der Frage: Was macht das Gehirn zum Denkorgan? Die 100 Milliarden Nervenzellen im menschlichen Gehirn haben jede einzelne 7000 Kontakte (Synapsen) zu weit entfernten anderen Nervenzellen.
Dieses weite und verzweigte Netzwerk von Synapsen im Gehirn entsteht durch von Volker Haucke entdeckte Signallipide, die intelligentes vernetztes Denken erst möglich machen."

Prof. Dr. Detlev Ganten

„Einer der Nachfolger Virchows ist der Zellbiologe Volker Haucke, der am 24. November den Ernst Schering Preis erhält – als erster Berliner Wissenschaftler überhaupt. Konkret erforscht Haucke mit seinem Team, was schieflaufen kann, wenn Zellen auf Signale reagieren, die von außen und innen kommen: über Botenstoffe, Hormone und Nährstoffe. Sogenannte Signallipide dienen dabei als „Schalter“ für die zelluläre Antwort: die Bildung von Synapsen, den Abbau beschädigter Proteine und anderes. Bei der Signalübertragung kann es zu Fehlfunktionen kommen.“

Berliner Zeitung

„Hier am Leibniz-Institut für molekulare Pharmakologie in Buch forschen in seinem Bereich 35 Mitarbeiter, die wissen wollen, wie der Mensch funktioniert – genauer, die Schaltzentrale der unzähligen Zellen und Nervenstränge, mit deren Hilfe der Mensch handelt, fühlt und denkt.“

rbb-Abendschau

Preisverleihung 2025 

Preisverleihung — 24.11.2025

Die Schering Stiftung verleiht dem Zellbiologen Volker Haucke den Ernst Schering Preis. Die Biochemikerin und Bioinformatikerin Agnes Toth-Petroczy erhält den Schering Young Investigator Award.

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Ernst Schering Preis Jury 

Pico Caroni ist seit 1995 Senior-Gruppenleiter am Friedrich Miescher Institute (FMI) for Biomedical Research und Professor für Neurobiologie am Biozentrum der Universität Basel. Er studierte Biochemie an der ETH Zürich und forschte anschließend über die Regeneration im Zentralnervensystem in der Arbeitsgruppe von Martin Schwab am Institut für Hirnforschung der Universität Zürich. Seit 1989 forscht er am FMI – zunächst als Junior-Gruppenleiter – über die Plastizität in definierten neuronalen Schaltkreisen und Systemen. Dabei interessieren ihn neben den Grundlagen von Lernen und Gedächtnis auch die Einflüsse von Genmutationen auf die Schaltkreise und die daraus resultierenden psychischen Störungen.

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Britta Eickholt ist seit 2011 Professorin für Molekulare und Zelluläre Biochemie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Sie promovierte 1998 am Guy’s Hospital in London. In 2001 erhielt sie eine Lecturship am King’s College London und startete ihre eigene Forschungsgruppe am ‚MRC Centre for Developmental Neurobiology‘. Sie wurde 2010 zur Professorin für Molecular Neurobiology am King’s College ernannt, bevor sie ihrem Ruf in 2011 nach Berlin folgte. In ihrer Forschung beschäftigt sich Britta Eickholt mit Mechanismen der Signaltranduktion, die dynamische Prozesse des Zytoskelett in neuronalen Zellen regulieren.

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Carl-Henrik Heldin ist seit 1992 Professor für Molekulare Zellbiologie an der Universität Uppsala, Schweden. Von 1986 bis 2017 war er Direktor des Ludwig Institute for Cancer Research in Uppsala. Professor Heldin ist Vorsitzender der Nobelstiftung, des Science for Life Laboratory sowie der European Molecular Biology Organization. Sein Forschungsinteresse gilt den Mechanismen der Signalübertragung durch Wachstumsregulationsfaktoren sowie ihre Normalfunktion und Rolle bei Erkrankungen. Ein wichtiges Ziel ist die Erforschung des möglichen klinischen Nutzens von Signaltransduktionsantagonisten.

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Thomas Höfer leitet die Abteilung für Theoretische Systembiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und ist Professor an der Fakultät für Biowissenschaften der Universität Heidelberg. Nach seinem Studium der Biophysik promovierte er in angewandter Mathematik an der Universität Oxford. Nach postdoktoralen Forschungsaufenthalten am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden und am Collège de France wurde er 2002 Juniorprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin und zog 2007 nach Heidelberg. Seine Forschung "bringt Zeit in die Gleichung", indem er datengesteuerte mathematische Modelle für die klonale Dynamik von Immunantworten, stammzellgesteuerte Geweberegeneration und somatische Evolution entwickelt.

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Chiara Romagnani absolvierte ihr Medizinstudium an der Universität Florenz in Italien, bevor sie sich als Onkologin am Nationalen Krebsinstitut in Genua spezialisierte. Nach Abschluss ihrer Promotion in Immunologie an der Universität Genua unter der Leitung von Lorenzo Moretta erhielt sie ein EMBO-Stipendium für eine Postdoktoranden-Ausbildung am Deutschen Rheumazentrum (DRFZ) in Berlin. Dort konzentrierte sie sich auf die angeborene Immunität und Entzündungen, zunächst als Gruppenleiterin und später als DFG-Heisenberg-Professorin. Sie trug zur Identifizierung von Signalen bei, die für die Differenzierung und Aktivierung von angeborenen lymphoiden Zellen (ILCs) verantwortlich sind, sowie zur Entdeckung der Klonalität und des Gedächtnisses menschlicher NK-Zellen, wofür sie kürzlich einen ERC Advanced Grant erhielt. Derzeit ist sie Joint Full Professor an der Charité und der Freien Universität Berlin im Rahmen der Berlin University Alliance und Vorsitzende des Instituts für Medizinische Immunologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Chiara Romagnani ist zudem Mitglied der Leopoldina – Deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften.

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