Schering Stiftung

PreisträgerIn 

Prof. Dr. Frank Kirchhoff - Ernst Schering Preis 2013

Prof. Dr. Frank Kirchhoff - Ernst Schering Preis 2013

Prof. Dr. Frank Kirchhoff - Ernst Schering Preisverleihung 2013

Prof. Dr. Frank Kirchhoff - Ernst Schering Preisverleihung 2013
Foto: Julia Zimmermann

Prof. Dr. Frank Kirchhoff - Ernst Schering Preisverleihung 2013

Prof. Dr. Frank Kirchhoff - Ernst Schering Preisverleihung 2013
Foto: Julia Zimmermann

Frank Kirchhoff

Ernst Schering Preis 2013

Frank Kirchhoff

Ernst Schering Preis 2013


Die Schering Stiftung verleiht den Ernst Schering Preis 2013 an den Virologen Prof. Dr. Frank Kirchhoff, Direktor des Instituts für Molekulare Virologie am Universitätsklinikum Ulm. Kirchhoff erhält den mit 50.000 Euro dotierten Preis für seine wegweisenden Forschungen zur Entstehung der Immunschwächekrankheit AIDS und insbesondere für seine bahnbrechenden Erkenntnisse zur Evolution des HI-Virus. Seine Untersuchungen zum lentiviralen Nef-Protein, einem zentralen Zellmanipulator des HI-Virus, haben zur Aufklärung der Pathogenese von HIV/AIDS beigetragen. Aktuelle Erkenntnisse zu natürlichen Verstärkern der HIV-Infektion eröffnen neue Ansätze zur Prävention.

s einer unabhängigen Übertragung von Affenimmun-defizienzviren (SIVs) aus Schimpansen oder Gorillas auf den Menschen. Interessanterweise sind jedoch lediglich Gruppe M (major) Viren für die AIDS-Pandemie verantwortlich, die übrigen drei HIV-1 Gruppen sind selten und meist auf Westafrika beschränkt. Unterschiede in der Anpassung an den menschlichen Wirt könnten diese unterschiedliche Ausbreitun

Zur Forschung von Frank Kirchhoff

Ein wichtiges Forschungsziel von Kirchhoff ist es herauszufinden, welche Faktoren zur effektiven Ausbreitung und zur hohen Virulenz von HIV-1 beitragen. Bis heute wurden insgesamt vier Gruppen von HIV-1 (M, N, O und P) beschrieben. Jede dieser Gruppen ist das Ergebnig erklären. Kirchhoffs Forschungsgruppe fand heraus, dass ausschließlich HIV-1 M Stämme ein voll funktionsfähiges Vpu Protein entwickelt haben, welches humanes Tetherin (ein zellulärer Faktor, der die Virusfreisetzung hemmt) ausschaltet und CD4 (den primären viralen Rezeptor) zerstört, um die effektive Virusproduktion zu ermöglichen. Im Gegensatz dazu sind HIV-1 O und P nicht in der Lage Tetherin auszuschalten. Die seltenen Gruppe N-Viren zeigen geringe anti-Tetherin Aktivität, haben jedoch die Fähigkeit zum Abbau von CD4 verloren. Die einzige Ausnahme ist das zuletzt identifizierte Gruppe N-Virus, welches Tetherin ebenso effektiv ausschaltet wie pandemische Gruppe M-Viren. Somit scheinen sich die seltenen Gruppen von HIV-1 derzeit noch an den Menschen anzupassen und könnten sich möglicherweise in Zukunft effektiver ausbreiten. Kirchhoff ist weiterhin daran interessiert herauszufinden, warum viele Affenarten, die natürlicherweise mit SIV infiziert sind, nicht an AIDS erkranken. Es ist bekannt, dass die chronische Hyperaktivierung des Immunsystems die Entwicklung von AIDS vorantreibt. Kirchhoffs Forschungsgruppe erkannte, dass HIV-1 die T-Zellaktivierung verstärkt, während die meisten Immundefizienzviren ihr Nef-Protein benutzen, um die Aktivierung und den programmierten Zelltod von infizierten T-Zellen zu blockieren. Unterschiede in der Funktion des Nef-Proteins könnten somit dazu beitragen, dass HIV-1 AIDS verursacht, während SIVs in ihren natürlichen Affenwirten nicht zur Erkrankung führen. Ein besseres Verständnis der Gründe für die effektive Ausbreitung und hohe Virulenz von HIV-1 sollte helfen neue präventive und therapeutische Ansätze zu entwickeln.

Kirchhoffs zweites Forschungsgebiet ist die Isolierung, Charakterisierung und Weiterentwicklung körpereigener Verbindungen, welche die HIV Infektion beeinflussen. In Kooperation mit Prof. Wolf-Georg Forssmann (Hannover) haben er und seine Mitarbeiter dazu komplexe Eiweißbibliotheken aus natürlichen Quellen wie Blut, Sperma, Speichel oder Brustmilch untersucht. Diese Analysen haben zur Identifizierung einiger neuer HIV-Hemmstoffe geführt. Einer davon, als VIRIP bezeichnet, hemmt den Eintritt von HIV in die Wirtszelle mittels eines neuartigen Mechanismus, der Blockierung der Verankerung der Viruspartikel an der Zelle. Eine kooperative klinische Studie zeigte, dass optimierte VIRIP-Derivate die Vermehrung von HIV im Menschen hemmen ohne wesentliche Nebenwirkungen zu verursachen. Ein ähnlicher Ansatz wurde verwendet um Faktoren zu identifizieren, die die Effizienz der sexuellen Übertragung von HIV beeinflussen. Überraschenderweise fand Kirchhoffs Forschungsgruppe heraus, dass Sperma Fibrillen-bildende Eiweißfragmente enthält. Diese Fibrillen binden HIV-Partikel und verstärken deren Anheftung an Wirtzellen und die Virusinfektion. Sie stellen somit ein neues Ziel für die Prävention der HIV-Übertragung dar. Basierend auf dieser Entdeckung haben Kirchhoff und sein Kollege Jan Münch Substanzen entwickelt, die die Effektivität des retroviralen Gentransfers für Anwendungen in der Grundlagenforschung und Therapie verbessern sollten. Weiterhin weisen ihre aktuellen Forschungsergebnisse darauf hin, dass Fibrillen-bildende Eiweißfragmente im Sperma auch eine Rolle bei der Fruchtbarkeit spielen könnten. In laufenden Untersuchungen haben sie HIV-verstärkende Faktoren in Brustmilch und einen neuen Antagonisten des Chemokinrezeptor CXCR4 identifiziert. Letzterer hemmt nicht nur CXCR4-trope HIV-1 Stämme, sondern mobilisiert auch Stammzellen und hemmt die Wanderung von Krebszellen. Die Untersuchung „natürlicher“ Eiweißbibliotheken ermöglicht somit die Entdeckung von Faktoren, deren Bedeutung über HIV/AIDS hinausgeht.

Kurzvita vom Frank Kirchhoff

Frank Kirchhoff studierte Biologie an der Universität Göttingen und promovierte von 1988 bis 1991 am Deutschen Primatenzentrum über einen neuen HIV-2-Stamm. Im Anschluss wechselte er als Postdoc (1991-1994) ans New England Primate Research Center der Medizinischen Fakultät der Universität Harvard in Southborough, MA (USA), wo er sich schwerpunktmäßig mit AIDS-Lebendimpfstoffen und der Funktion des lentiviralen Nef-Proteins beschäftigte. 1994 gründete er am Institut für Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg seine eigene Forschungsgruppe. 2001 erhielt er den Ruf als Professor für Virologie an die Universität Ulm, wo er 2009 Direktor des neu gegründeten Instituts für Molekulare Virologie wurde. Kirchhoff erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeiten, darunter den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Jahr 2009. Er ist u. a. Mitglied der Nationalen Akademie der Naturforscher Leopoldina und des Nationalen AIDS-Beirats.

Prof. Dr. Reinhard Kurth, Vorsitzender des Stiftungsrats der Schering Stiftung, gratuliert Frank Kirchhoff zur Ehrung und begründet die Wahl der Schering Stiftung: „Frank Kirchhoff ist einer der überragenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der molekularen Virologie. Mit seiner Forschung hat er einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Übertragungen des HI-Virus geleistet und neue Möglichkeiten der Therapie und Prävention aufgezeigt.“

Weiterlesen

Begleitveranstaltungen 

Schülervortrag

24.09.2013, 10–11 Uhr

Humboldt-Gymnasiums, Berlin-Tegel

Fachvortrag

24.09.2013, 16–17:30 Uhr
Crossing the barriers: viral adaptations facilitating the AIDS pandemic

Humboldt Graduate School (Festsaal)
Luisenstr. 56 | 10117 Berlin

Laudatio 

„Frank Kirchhoff ist einer der überragenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der molekularen Virologie. Mit seiner Forschung hat er einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Übertragungen des HI-Virus geleistet und neue Möglichkeiten der Therapie und Prävention aufgezeigt.“

23.09.2013, Preisverleihung, Prof. Dr. Reinhard Kurth, Vorsitzender des Stiftungsrats der Schering Stiftung

Galerie

Festveranstaltung

Feierliche Verleihung des Ernst Schering Preises 2013 und des Freidmund Neumann Preises 2013

Mediathek besuchen

Preisverleihung 2013 

Preisverleihung — 23.09.2013

Am 23. September 2013 um 17:00 Uhr werden die beiden renommierten Wissenschaftspreise an Frank Kirchhoff und Sebastian Zeissig überreicht.

Mehr erfahren

Downloads 

Lebenslauf

Frank Kirchhoff

Datei laden

Das könnte Sie auch interessieren

Bonnie L. Bassler

Ernst Schering Preis 2018

25.09.2017

Elly Tanaka

Ernst Schering Preis 2017

26.09.2016

Franz-Ulrich Hartl

Ernst Schering Preis 2016

28.09.2015

David MacMillan

Ernst Schering Preis 2015

23.09.2014

Magdalena Götz

Ernst Schering Preis 2014

Newsletter 

Kontakt & soziale Netzwerke

Schering Stiftung

Unter den Linden 32-34
10117 Berlin

Telefon: +49 - 30 - 20 62 29 65
Email: info@scheringstiftung.de

Öffnungszeiten
Projektraum

Donnerstag bis Montag: 13-19 Uhr
Eintritt frei

Folgen Sie uns!

Folgen Sie uns auf unseren weiteren Kanälen und erfahren Sie so von den neuesten Entwicklungen!

facebook Youtube